Berlin, News

Ohne Maske – Meinungen junger Schwimmer zum Lockdown

Vor einigen Tagen erschien auf der Facebookseite „Berlin Schwimmt“ eine kleine Serie. Die Betreiberin Gabi Milbach hatte einige junge Berliner Schwimmer befragt, wie sie die Zeit des „Lockdown“ vom März bis Sommer 2020 aus sportlicher Sicht verbracht und überstanden hatten.
Gabi selber sagt über die Serie:
„Ich möchte die Lage der Sportler für ein breiteres Publikum bekannt machen. Die Wünsche und Träume dieser jungen Sportler sollten mehr Aufmerksamkeit bekommen, da die Verbände und die Politik dies vergessen haben.“

Die folgenden Texte wurde bereits veröffentlicht und werden und werden hier im Original noch einmal wiedergegeben.

Urhebernachweis:
Link: Berlin Schwimmt
Name: Gabi Milbach

* Jacob Härzke, Jahrgang 2009
Mein Name ist Jacob Härzke, Jahrgang 2009 und ich trainiere bei Z88.

Wie hast du die Lockdown-Zeit (Corona) ohne Training und Wettkämpfe empfunden?
Es war hart für mich nicht zu trainieren. Mir haben das Schwimmen und die Gemeinschaft sehr gefehlt und das lässt sich auch nicht einfach durch anderen Sport ersetzen. Nach einigen Wochen haben wir im Verein über Zoom zum Glück wieder mit dem Athletiktraining angefangen. So konnten wir uns auch als Gruppe nach längerer Zeit wiedersehen. Dadurch, dass es keine Wettkämpfe gab, war es aber trotzdem schwieriger sich zu motivieren aber am Ende hatten wir alle die gleichen Herausforderungen.

Wie hast du dich fit gehalten?
Ich war öfter lange Strecken laufen und habe zu Hause auch selbst Athletiktraining gemacht. Zusätzlich habe ich Basketball gespielt, so dass der Sport jeden Tag ein fester Bestandteil war. Nach dem Lockdown hat der Verein zunächst auf dem Vereinsgelände Athletik angeboten und als die Freibäder wieder öffneten waren wir dank dem großen Einsatz unserer Trainer auch wieder 2-3 pro Woche im Wasser. Richtig gut fühlt es sich jetzt wieder an, wo die Hallen wieder offen sind und wir wieder regelmäßig ins Wasser können.

Was für Wünsche, Erwartungen oder Ziele hast du für die kommende (laufende) Saison?
Ich hoffe, dass ich die vergangenen Monate möglichst schnell wieder aufhole und trainiere hart dafür. Ich möchte unbedingt wieder Wettkämpfe schwimmen und wieder auf andere Schwimmer treffen. Mit jedem Wettkampf hat man ein klares Ziel vor Augen, auf das man sich konzentrieren und hinarbeiten kann. Ich freue mich deshalb auf jeden einzelnen Wettkampf der kommt und auf die vielen Erfahrungen die ich dort sammeln kann. Im Herbst und Winter müssen die Hallen unbedingt offen bleiben, damit wir weiterhin gemeinsam so viel Spaß an unserem Sport haben können.

* Valentina Wendt, Jahrgang 2009, Berliner Wasserratten
Wie hast du die Lockdown-Zeit (Corona) ohne Training und Wettkämpfe empfunden?
Dass kein Training und keine Wettkämpfe stattfanden, war nicht so leicht für mich. Unser Trainer sagte einmal, eine Woche ohne Training wäre nicht so gut, aber zwei/ drei Wochen sind schwer aufzuholen. An diese Worte musste ich immer denken. Und es waren viel mehr als drei Wochen ohne Training.

Wie hast du dich fit gehalten?
Ich habe probiert, jeden Tag mindestens eine Stunde Sport zu machen. Ich war viel Joggen, bin Fahrrad gefahren oder gerudert und ab und zu war ich im Freibad und bin dort Bahnen geschwommen. 3-4 Mal in der Woche habe ich Krafttraining gemacht. Unser Vereinstrainer hat uns dazu einen Trainingsplan erstellt.

Was für Wünsche, Erwartungen oder Ziele hast du für die kommende (laufende) Saison?
Am meisten hoffe ich, dass alles – vor allem Wettkämpfe – bald wieder normal stattfinden kann. Wir hätten in diesem Jahr das erste Mal an großen Wettkämpfen teilgenommen. Dass diese ausgefallen sind, ist sehr schade.
Schnell wieder die Zeiten zu schwimmen, die ich vor dem Lockdown geschwommen bin, das hoffe ich.

* Ben David Preuß, Jahrgang 2009
Ich bin der Ben David Preuß, 11 Jahre alt und besuche das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin.

Wie hast du die Lockdown-Zeit (Corona) ohne Training und Wettkämpfe empfunden?
Der Lockdown war einfach nur sch*****.
Von heute auf morgen kein Training, weder in der Schule noch im Verein. Es hat mir einfach nur alles so sehr gefehlt. Die Freunde, die Bewegung, das Wasser, die Wettkämpfe und auch der Schulunterricht.
Was die ganze Sache für mich noch viel schlimmer gemacht hat, dass für uns 09er die Deutschen Meisterschaften Schwimmerischen Mehrkampf (DM SMK) ersatzlos entfallen sind. Die Teilnahme und die Erfahrung wird mir nie mehr möglich sein. Die ganze Quälerei dafür war umsonst. Und dann die Absage der DMSJ und der Berliner Meisterschaften. Eine Katastrophe!!!

Wie hast du dich fit gehalten?
Mein Vater hat mich die ganze unterstützt und ist mit mir täglich abwechselnd Laufen gewesen, ist Rad gefahren und hat jede Menge Land-/Krafttraining gemacht. Wir haben dabei viel Neues in Berlin und Brandenburg entdeckt.
Er hat mich jeden Tag neu motiviert und so habe ich die Zeit gut überstanden.
Auch habe mich oft mit anderen Schwimmern getroffen, um gemeinsam zu trainieren. Das hat mir dann viel mehr Spaß gemacht.
Außerdem bin ich ab Ende April 2 x pro Woche beim Schnelligkeitszentrum Berlin zum Land-/Krafttraining gewesen.
Ich war einige Male mit Neo im Wannsee und im Mai begann das Training wieder am SLZB sowie ab Ende Juni im Verein.

Was für Wünsche, Erwartungen oder Ziele hast du für die kommende (laufende) Saison?
Ich wünsche mir, dass alles wieder so wird, wie vorher.
Dass die Wettkämpfe wieder normal stattfinden und ich wieder alte und neue Sportler aus anderen Vereinen treffen kann. Ich möchte wieder die Atmosphäre in der Halle erleben, die Aufregung vor einem Wettkampf spüren, neue Bestzeiten schwimmen, wieder Medaillen und neue Titel gewinnen.
Für diese Ziele werde ich weiterhin hart trainieren, auch, um anderen Schwimmern ein möglichst schwerer Gegner zu sein.

Ella Walter 2020 während der DMS Landesliga.
Ella Walter 2020 während der DMS Landesliga.

* Ella Walter (Jahrgang 2007) und Fritzi Walter (Jahrgang 2009)
Wie hast Du die Lockdown-Zeit (Corona) ohne Training und Wettkämpfe empfunden?
Ella: Es war eine komische, ungewohnte Zeit und je länger die Kontaktsperre dauerte, desto mehr hat mir das Training mit meiner TG und vor allem das Training im Wasser gefehlt. Von heute auf morgen eigentlich gar kein Training mehr zu haben und das zu Hause alles selbst zu organisieren, fiel mir am Anfang sehr schwer. An den Terminen meiner geplanten Saisonhöhepunkte (DJM, DFM) war ich sehr traurig, da ich mir dafür einiges vorgenommen hatte und diese Wettkämpfe immer aufregend sind und mir riesig Spaß machen.

Fritzi: Zuerst fand ich es cool, weil ich ausschlafen konnte und mehr Zeit mit Mama und Papa hatte. Die beiden waren in der Zeit auch meine „Trainer“ und zum Glück haben wir einen Garten, in dem man sich austoben und auch trainieren konnte. Aber das wurde irgendwann langweilig und ich war schon traurig, nicht mit meinen Freunden im Wasser trainieren zu können. Wettkämpfe haben mir eigentlich nicht gefehlt, außer die BM in der SSE, da wäre ich sehr gerne gestartet.

Wie hast Du Dich fit gehalten? Bist Du im Verein oder privat ins Wasser gekommen?
Ella: Athletik, Laufen, Fahrrad, Athletik, Laufen, Fahrrad…
Das Landtraining war manchmal schon langweilig, vor allem wenn man eigentlich 7-8 Wassereinheiten pro Woche gewöhnt ist. Aber mit Trampolin springen, Skateboard fahren, Federball usw. hatte ich auch mal wieder etwas Zeit für andere sportliche Beschäftigungen. Leider hatte ich keine Möglichkeit über den Verein oder privat ins Wasser zu kommen. Als es wärmer wurde, war ich aber einige Male im Tegeler See schwimmen.

Fritzi: Ins Wasser bin ich leider überhaupt nicht gekommen, das war wirklich doof. Ich habe mich mit Athletik- und Konditionszirkeln auf Youtube fit gehalten, war im Wald laufen und bin auf dem Crosstrainer Fahrrad gefahren. Ansonsten habe ich alles gemacht, was im Garten möglich war. Tischtennis, Frisbee, Federball, Trampolin, Waveboard, Fußball, Wasserrutsche usw. Das hat zwar viel Spaß gemacht, aber das Schwimmen hat mir einfach gefehlt!

Was für Wünsche, Erwartungen oder Ziele hast Du für die kommende (laufende) Saison?
Ella: Klar, ich wünsche mir natürlich, dass alles wieder einigermaßen normal laufen wird. Das ich wieder regelmäßig im Wasser trainieren kann und mich auf Wettkämpfe vorbereiten kann, die auch stattfinden. Meine Ziele sind die gleichen wie in der letzten Saison, ich möchte deutsche Jahrgangsmeisterin werden und im deutschen Nachwuchskader bleiben.

Fritzi: Ich wünsche mir wieder mehr Wassertraining, weil es mir so viel Spaß macht und ich mich verbessern möchte. Wenn ich gesund bleibe, wäre es toll, zusammen mit meiner Schwester das erste Mal bei der DJM zu starten.

* Taha, Jahrgang 2007
Mein Name ist Taha und ich bin 13 Jahre alt.

Wie hast du die Lockdown-Zeit (Corona) ohne Training und Wettkämpfe empfunden?
Seitdem Lockdown hat sich mein Leben auf den Kopf gestellt. Kein Training mehr, es war wie ein Schlag ins Gesicht, ich war sehr über den Lockdown überrascht. Kein Training, keine Herausforderungen, keine neuen Bestzeiten und meine nächste Etappe zum neuen Ziel wurden auf Eis gelegt. Der Körper der hart gearbeitet (trainiert) hat und daran gewohnt war, immer das Maximum zu erreichen.

Der Lockdown. Ich konnte es nicht fassen. Kein Ende in Sicht, solange kein Wassertraining zu haben, daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Sehnsucht, schon nach der ersten Woche. Sehnsucht nach Wasser, doch das war nicht da. Dann plötzlich empfand ich nur schmerzen, Schmerzen am Körper, die ich nie zuvor so hatte. Die plötzliche Pause hatte meinen trainierten Körper nicht gutgetan. Die ersten Wochen lag ich krank im Bett, mein Körper hat nicht mehr mitgemacht, alles tat weh.

Wie hast du dich fit gehalten?
Joggen und Krafttraining war das Einzige was ich versucht habe zu machen, um meinen Körper etwas fit zu halten. Irgendwie mit der Hoffnung es wird bald weiter gehen. Aber es vergingen mehrere Wochen und irgendwann öffneten die ersten Freibäder, ein ganz kleiner Lichtblick. Das Einzeltraining und nicht das gewohnte Gruppentraining hat mich kaum motiviert und dass es keine neuen Wettkämpfe in Aussicht gibt.

Dank alternative Sporteinheiten (digital) die unser Verein uns nach einigen Wochen angeboten hat, haben wir uns gegenseitig motiviert und es war mir eine Freude die anderen Vereins-Mitglieder wieder zu sehen.

Was für Wünsche, Erwartungen oder Ziele hast du für die kommende (laufende) Saison?
Ich wünsch mir vom ganzen Herzen, dass die Wettkämpfe und das normale Training wieder im Normalbetrieb beginnen. Das wird mir gut tun, wieder mit Adrenalin ins Rennen zu starten.
Der erste große Wettkampf ist schon für Dezember geplant, die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften. Ich weiß, es haben andere Vereine mehr trainiert als wir, weil sie in einem anderen Bundesland leben. Aber Berlin war leider eines der letzten Bundesländer die mit dem Wassertraining beginnen durften.
Dennoch kann ich meinen Konkurrenten versichern, dass ich alles geben werde. Ich werde mein Bestes geben, um so fit zu werden wie vor dem Lockdown.

* Louis Hoffmann, Jahrgang 2008, Verein SG Neukölln
Wie hast du die Lockdown-Zeit (Corona) ohne Training und Wettkämpfe empfunden?
Anfangs habe ich mich erholt gefühlt durch die Trainingspause, aber dann fühlte ich mich irgendwann nicht mehr ausgelastet genug. Mein Bewegungsdrang führte mich täglich nach draußen auf das Trampolin.
Es war dann etwas langweilig sich nicht mehr mit anderen bei Wettkämpfen zu messen. Außerdem fehlte mir meine Trainingsgruppe.

Wie hast du dich fit gehalten?
Ich bin viel mit meinem Rennrad gefahren, war ein paar Mal laufen und ich habe digitales Training (Bauch -und Rückenübungen) mit meinem Vereinstrainer gemacht.
Nein, im Wasser war ich erst mit Schulbeginn Ende Mai.
Ich möchte bei den kommenden DJM mind. eine Medaille gewinnen.

Was für Wünsche, Erwartungen oder Ziele hast du für die kommende (laufende) Saison?
Schön fände ich es, wenn langsam wieder die regulären Wettkämpfe stattfinden würden.
Außerdem möchte ich wieder meine Bestzeiten erreichen, der Wettkampf vor kurzem war schon ein guter Auftakt, dafür das man noch am Anfang der Saison ist.