(Rand)Notizen, Berlin, News

(Rand)Notizen – Corona und der Sport im März und April 2020

Schnell vergisst selbst der Interessierte, was passierte und wann es passierte. Um der „ebbinghaussche Kurve“ entgegenzuwirken habe ich bei Wettkämpfen am selben Tag die (Rand)Notizen eingeführt. Die ersten Notizen schrieb ich 2013. Nur so war gewährleistet, dass diese Infos nicht in Vergessenheit geraten.
Die zwei wichtigsten Eigenschaften meiner (Rand)Notizen sind und waren:
1.) sie müssen am selben Tag geschrieben werden. Schon einen Tag später ist die Wahrnehmung getrübt, sie wird überlagert vom „Tag danach“. An Kleinigkeiten ist dann nicht mehr heranzukommen. Sie sind buchstäblich im Gedächtnis gelöscht.
2.) die Veranstaltung (Sachverhalt) muss ich selber miterlebt haben. Keine „Mund-zu-Mund“ Propaganda, kein „ich habe gehört dass …“. Nein. Was ich erlebte wird zum Fakt. Dieser ist aktenkundig.

(Rand)Notizen sind aber nicht nur der Speicher für die „Fußnoten“, sondern sollen auch das Feld der Informationen nicht den „etablierten“, „seriösen“ oder selbsternannten „Meinungsmachern“ jeglicher Couleur überlassen. Denn eines haben diese „Medien“ gemein: sie stellen die gleichen Fragen immer wieder neu, dadurch erhalten sie aber immer wieder die gleichen Antworten.

Beim Schreiben der (Rand)Notizen sind zwei Zeithorizonte wichtig:
1.) Aktualität: für Leute, die sich für diese Veranstaltung interessieren, ob sie nun selber dabei waren oder nicht;
2.) die Zukunft: für Leute, die sich noch einmal mit dieser Veranstaltung beschäftigen. Ich lese hin und wieder mir gern alte Notizen durch, weil ich dadurch a) in diese Veranstaltung wieder eintauchen kann und b) ich an Dinge erinnert werde, die mir schon lange entfallen sind.

Auch zu „Corona-Zeiten“ habe ich Notizen angefertigt und recherchiert. Los geht’s:

Abgesagte Schwimmwettkämpfe
In dieser Tabelle habe ich Wettkämpfe aufgelistet, die ich besuchen wollte (aber keine ausländischen). Es gab sicher noch mehr absagen, diese spielen hier keine Rolle:

Tabelle 1: Überblick über Wettkämpfe mit „Absagedatum“

ursprünglicher Wettkampf abgesagt am geplant/Stand der Dinge
Inland
NDM Masters Berlin, 14./15.3. 13.3.2020 ersatzlos gestrichen
NDM Hannover, 9./10.5. 19.3.2020 ersatzlos gestrichen
NDM Mehrkampf, 16./17.5., Braunschweig 19.3.2020 ersatzlos gestrichen
DM Masters Lange Strecken (27.-29.3.) 4.3.2020 ersatzlos gestrichen
DM Mehrkampf, 19.-21.6. 6.4.2020 ausgesetzt
DM Freiwasser, 25.-28.6. 6.4.2020 ersatzlos gestrichen
DM Berlin, 30.4.-3.5. 18.3.2020 ausgesetzt
DM Kurze Strecke, 19.-21.6. 23.3.2020 ersatzlos gestrichen
DJM Berlin, 26.-30.5. 18.3.2020 ausgesetzt
Ausland
EM Budapest, Senioren 20.3.2020 August 2020 anvisiert
EM Budapest, Masters, 1.-6.6. 20.3.2020 September 2020 anvisiert

Deutsche Jahrgangsmeisterschaften im Schwimmen (DJM)
Geplant für den 26. bis 30.5.2020 in Berlin (SSE), wurde sie am 18.3.2020 „ausgesetzt“.
Der DSV schreibt dazu auf der Webseite „schwimm-djm.de“ (Stand: 20.4.2020):
„Der DSV ergreift mit Wirkung vom 18. März 2020 weitere übergeordnete Maßnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Krise. Demnach werden alle DSV-Veranstaltungen bis zum 31. Mai ausgesetzt. Auch die DJM Schwimmen 2020 (26. – 30. Mai) ist von diesen Maßnahmen betroffen und eine Ausrichtung im bisher geplanten Zeitraum nicht mehr möglich ist.“

„Von dieser Maßnahme sind also auch die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Schwimmen 2020 (26.–30. Mai) betroffen. Die DJM hat einen besonders hohen Stellenwert im deutschen Schwimmsport, weshalb wir zusammen mit unseren Partnern versuchen werden, einen Alternativtermin zu finden. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir aufgrund der dynamischen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie jedoch noch keinen Terminvorschlag unterbreiten. Sobald die zuständigen Stellen eine Durchführung als unbedenklich einstufen, werden wir die Situation erneut bewerten und uns bemühen einen passenden Alternativtermin zu finden.“

Bei den DJM handelt es sich um die größte Wassersportveranstaltung in Deutschland für Jugendliche. Ob sie das „Prädikat“ Großveranstaltung verdient konnte nicht ermittelt werden. Eine Anfrage meinerseits bei der Berliner Senatskanzlei zu Einstufungen von Großveranstaltungen läuft.
Dennoch ist die Prognose für einen Ersatztermin eher schlecht. Die Politik – die Verantwortlichen über „du darfst das, du darfst das nicht“ beschäftigen sich zurzeit nicht mit dem Thema Sport. Erinnert mich an die Drucker von Computer in den 90ziger Jahren: serielle Übertragung. Die Daten wurden übertragen, aber im Vergleich nur sehr langsam. Und immer hintereinander.

Einige Wörter prägen den Wortschöpfungsprozess im April im Besonderen: Abstandsregeln, Hygienevorschriften, Mundschutz.
Abstandsregel: wie sollen 1,5 m oder 2 m in einer Schwimmhalle bei einem Wettkampf mit mehreren hundert Sportlern eingehalten? Gar nicht.
Hygienevorschriften – schon traurig, dass manche erst die Anweisung von oben brauchen um das selbstverständliche zu verinnerlichen – könnten auch schwierig werden.
Der Zwang zum Mundschutz wäre auch ein Zeichen dafür, dass die Art der Zusammenkunft – Sportler bei Wettkämpfen – noch für lange unterbleiben wird.

Die Frage nach einem Ersatztermin könnte terminlich auch ohne Corona scheitern. Die SSE hat ab November 2020 geschlossen. Für Monate. Somit bliebe, wenn überhaupt, nur der schmale Zeitraum von September bis Oktober 2020. Doch dafür müsste man jetzt mit den Planungen beginnen.

Deutsche Meisterschaften im Schwimmen (DM)
Die DM 2020 war für den 30.4. bis 3.5.2020 angesetzt. Sie wurde am 18.3.2020 ausgesetzt.
Unter https://schwimm-dm.de heißt es (Abruf: 20.4.2020):
„DM Schwimmen 2020 ausgesetzt
Der DSV ergreift mit Wirkung vom 18. März 2020 weitere übergeordnete Maßnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Krise. Demnach werden alle DSV-Veranstaltungen bis zum 31. Mai ausgesetzt. Auch die DM Schwimmen 2020 (30. April – 03. Mai) ist von diesen Maßnahmen betroffen und eine Ausrichtung im bisher geplanten Zeitraum nicht mehr möglich ist.“

„Von dieser Maßnahme sind also auch die Int. Deutschen Meisterschaften Schwimmen 2020 (30. April – 03. Mai) betroffen. Die DM hat einen besonders hohen Stellenwert im deutschen Schwimmsport, weshalb wir zusammen mit unseren Partnern versuchen werden, einen Alternativtermin zu finden. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir aufgrund der dynamischen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie jedoch noch keinen Terminvorschlag unterbreiten. Sobald die zuständigen Stellen eine Durchführung als unbedenklich einstufen, werden wir die Situation erneut bewerten und uns bemühen einen passenden Alternativtermin zu finden.“

Gutschein oder Rückerstattung?
„Was passiert mit meinen bereits erworbenen DM2020 Tickets?

Die DM hat einen besonders hohen Stellenwert im deutschen Schwimmsport, weshalb wir zusammen mit unseren Partnern versuchen werden, einen Alternativtermin zu finden. In diesem Fall behalten Ihre Tickets ihre Gültigkeit. Sollte die DM 2020 komplett abgesagt werden, wird Ihnen der Ticketpreis (exklusive Vorverkaufsgebühr und ggf. Versandkosten) zurückerstattet.“ (schwimm-dm.de)

Hotel – meine Erfahrung mit Braunschweig
Die NDM im Mehrkampf, 16./17.5., in Braunschweig, wurde ersatzlos gestrichen. Da ich noch eine verpflichtende Buchung hatte wollte ich wissen, was nun Fakt ist. Die Antwort kam auch prompt:
„… aus aktuellem Anlass wurde das Vienna House Easy Braunschweig bis zum 30.06.2020 an die Stadt Braunschweig vermietet, um als Behelfskrankenhaus zu fungieren.

Dies hat zur Folge, dass Ihr geplanter Aufenthalt im Mai daher nicht im Vienna House Easy Braunschweig stattfinden kann.“

Deutsche Rekorde, deutsche Altersklassenrekorde
Deutsche Rekorde wurden im Jahr 2020 noch nicht geschwommen; neue deutsche Altersklassenrekorde gab es bisher 6.

Doch ich möchte auf etwas anderes hinaus. Die Tennis-Weltrangliste der ATP und WTA wurde am 19.3.2020 eingefroren. Damit ist nicht nur gemeint, dass die Plätze 1 bis X stehen bleiben, sondern auch die „Hitlisten“ – wie lange war Tennisspieler 1 auf Nummer 1 – für die Zeit des Einfrierens nicht weitergezählt werden. Interessant. Niemand soll einen Vorteil daraus ziehen, dass keine Wettkämpfe stattfinden.
Ich übertrage das jetzt auf den Schwimmsport. Es gab immer wieder Meldungen, nachdem Rekorde gebrochen wurden, auch vom Zeitraum die Rede war. So hieß es immer mal wieder „es hat jetzt 30 Jahre, 11 Monate gedauert, bis der Rekord vom Sportler … verbessert wurde“.
Doch seit dem 18.3.2020 finden keine Schwimmwettkämpfe in Deutschland mehr statt. Damit können auch keine Rekorde verbessert werden. Es macht einen Unterschied, ob keine Wettkämpfe auf Grund von Ferien oder Feiertagen nicht stattfinden oder auf Grund von „staatlicher/Länder-Verordnung“. Letztere ist neu und sollte berücksichtigt werden.
So werde ich in Zukunft bei der evtl. Auswertung auch darauf achten, dass der Zeitraum, wo keine Wettkämpfe in ganz Deutschland stattfinden konnten, diese Wochen/Monate nicht als Rekordzeit (Datumszeit) hinzugerechnet werden. Ganz im Sinne der ATP.

Verordnungen
Da jedes Bundesland eigene Verordnungen für die Coronakrise erlassen hat werde ich mich auf die von Berlin konzentrieren.
In Berlin gibt es seit dem 23.3.2020 drei Verordnungen. Diese beschäftigen sich auch mit dem Sport, in § 4.
Geändert gegenüber der ersten Verordnung hat sich aktuell Absatz 2 a). Hieß es vor einem guten Monat noch, dass Ausnahmen für Kaderathleten für die Olympischen Sommerspiele 2020 möglich sind, so können jetzt auch Ausnahmen für Kaderathleten ausgestellt werden, die sich auf nationale und internationale Wettkämpfe vorbereiten.

Ein möglicher Grund für diese Änderung ist die Tatsache, dass die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio um ein Jahr auf 2021 verschoben wurden.

Tabelle 2: Gegenüberstellung § 4 Verordnung Berlin, Änderungen in Rot

23.3.2020

§ 4, Badeanstalten, Sportstätten und Sportbetrieb

16.4.2020

§ 4, Badeanstalten, Sportstätten und Sportbetrieb

(1) Der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimmbädern, Fitnessstudios, Saunen, Solarien u. ä. wird untersagt. (1) Der Betrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimmbädern,  Fitnessstudios, Saunen, Dampfbädern, Sonnenstudios, Solarien u. ä. wird untersagt.

 

(2) Ausnahmen von der Untersagung nach Absatz 1 können in besonders begründeten Einzelfällen ausschließlich durch schriftliche Genehmigung der für Sport zuständigen Senatsverwaltung  zugelassen werden. Dies gilt insbesondere für

 

(2) Ausnahmen von der Untersagung nach Absatz 1 können in besonders begründeten Einzelfällen ausschließlich durch schriftliche Genehmigung der für Sport zuständigen Senatsverwaltung  zugelassen werden. Dies gilt insbesondere für

 

a) den Sportbetrieb von Kaderathleten in Vorbereitung auf die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020, wenn die beantragten Trainingseinheiten  für die Vorbereitung zwingend erforderlich sind,

 

b) den Sportbetrieb mit Tieren, soweit dieser im Hinblick auf das Tierwohl zwingend erforderlich ist.

 

 

a) den Trainingsbetrieb von Kaderathletinnen  und -athleten, u.a. in Vorbereitung auf nationale und internationale Wettkämpfe, wenn die beantragten Trainingseinheiten  für die Vorbereitung zwingend erforderlich sind,

 

b) den Sportbetrieb mit Tieren, soweit dieser im Hinblick auf das Tierwohl zwingend erforderlich ist

c) den Trainingsbetrieb von Bundesligateams  und Profisportlern und -sportlerinnen.

(3) Soweit für die Vergabe der öffentlichen Sportanlage vor Inkrafttreten dieser Verordnung eine andere Vergabestelle des Landes Berlin zuständig war, wird die für Sport zuständigen Senatsverwaltung  diese bei der Entscheidung über eine Ausnahme beteiligen. (3) Soweit für die Vergabe der öffentlichen Sportanlage vor Inkrafttreten dieser Verordnung eine andere Vergabestelle des Landes Berlin zuständig war, wird die für Sport zuständigen Senatsverwaltung  diese bei der Entscheidung über eine Ausnahme beteiligen.