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Celine Wolter – Ziel JEM 2020

Celine trainiert und lebt in Dresden. Sie ist mehrfache Jahrgangsmeisterin, 2019 vertrat sie Deutschland bei dem EYOF in Baku. Ich sprach mit ihr über die aktuelle, kommende und vergangene Zeiten.

Celine Wolter - hier bei den Berlin Swim Open 2020 in Berlin.
Celine Wolter – hier bei den Berlin Swim Open 2020 in Berlin.

Coronakrise
Wie geht es dir zurzeit?
Als erstes geht es mir gut, Dankeschön. Ich bin zwar echt traurig, dass das Corona-Virus uns allen die Saison vermasselt hat. Dennoch Versuch ich das Beste daraus zu machen.

Wie haltet ihr euch zurzeit „fit“?
Zurzeit halte ich mich fit, indem ich Joggen gehe, Kraftübungen zu Hause mache (am Anfang hab ich noch auf dem Spielplatz Klimmzüge gemacht, dann wurde er aber gesperrt) und Fahrrad fahren gehe.

Meine letzte Trainingseinheit war am Montag, den 16. März 2020. Leider hab ich keine Ausnahme bekommen um zu trainieren. Unsere Schwimmhalle ist geschlossen, es darf keiner mehr rein.

Wie, mit wem und worüber kommunizierst du in diesen Tagen?
In den letzten Wochen habe ich mit meinem Trainer über WhatsApp kommuniziert. Dazu telefoniere ich viel mit Freunden, wir machen gemeinsam Schule, backen zusammen und reden einfach über alle Dinge, die uns gerade in den Kopf fallen. (App: HouseParty)

Jetzt, in der Osterzeit, hättet ihr bestimmt ein Trainingslager aufgeschlagen. Was war geplant?
Wir wären am 20. April direkt nach den Osterferien für 17 Tage bis zum 7. Mai 2020 nach Fuerteventura ins Trainingslager zum Playitas Resort (Las Playitas) geflogen.

Abschließend noch die Frage: wie lenkst du dich aktuell ab?
Zur Ablenkung, mache ich Schule, kommuniziere mit Familie und Freunde und Backe gerne, damit ich nicht nur an die schlimme Zeit denken muss. Ich denke, es ist für jeden gerade echt total schwierig, damit erstmal klar zukommen.

Sportlicher Werdegang
Wann und beim wem hast du das Schwimmer erlernt?
Ich hab mit 4 Jahren das Schwimmen im Verein SWV TuR Dresden gelernt. 2014 habe ich mich dazu entschieden zum Dresdner Sportclub zu wechseln.
Als ich dann beim DSC trainiert habe, sagten die Trainer zu mir, dass ich viel Talent habe. Daraufhin habe ich an einem Landes Vielseitigkeitstest (kurz LVT) teilgenommen. Dies ist eine „Aufnahmeprüfung“ für die Sportschule in Dresden. Bei dem Test habe ich ganz gut abgeschnitten. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich auf die Sportschule gehen möchte. Da habe ich natürlich nicht „nein“ gesagt. Mein Trainer beim Dresdner Sportclub war Falk Nietsch.

Im Jahr 2015 kam ich in die 5. Klasse auf dem Sportgymnasium Dresden. Im ersten Schuljahr war Annett Bräunlich meine Trainerin. Danach war ich ab 6. und 7. Klasse der Schützling von Dirk Bludau. Seit der 8. Klasse betreut mich Peter Bräunlich (seit Dezember 2019). Bis zu den „Coronaferien“ war es Dirk Oehme, da er für Herr Bräunlich in der Zeit einspringen musste).

Wer ist in deiner Trainingsgruppe?
Meine Trainingsgruppe besteht aus 11 Personen, meine Trainingskameraden sind: Eileen Molas Huerta, Elisa Rosenheinrich, Josefine Müller, Cassandra Opitz, Linda Conrad, Franziska Grammlich, Arthur Schramm, Leopold Richter, Tristan Graf von Brühl und Till Hennig.

Du hast Deutschland bei den EYOF 2019 in Baku vertreten. Welche Erinnerungen hast du daran?
Die Anreise nach Baku war anstrengend. Sie begann in Berlin, wir saßen im Flugzeug und es war echt heiß, wir konnten nicht starten. Als erstes sind wir 6 h nach Doha geflogen. Wir sind mitten in der Nacht um 4 ihr gelandet, es war total heiß dort. Um diese Uhrzeit waren es schon mehr als 30 Grad und die Luftfeuchtigkeit war total hoch. Wir hatten genug Umsteigezeit zum nächsten Flug. Es war immer noch total heiß in Doha, Katar. Danach sind wir weiter nach Baku geflogen, dies hat ungefähr 3 h gedauert. Früh kurz vor 10 Uhr konnten wir dann endlich aus dem Flugzeug.

Als alle Deutschen aus dem Team ihre Taschen hatten, sind wir in einen Reisenbus, der fuhr dann mit Polizei Eskorte zum Athleten-Dorf. Wir waren dort im Athleten-Dorf untergebracht, das Team Deutschland hat eine Hochhaushälfte für sich. Da waren alle Sportarten untergebracht. In der 8. Etage waren wir Schwimmer. Die Mädels auf der rechten Seite in einer WG und die Jungs auf der linken Seite in einer WG – mit jeweils 4 Schlafräumen.
Die Schwimmhalle war der Hammer: ein großes 50 m-Becken, mit 10 Bahnen (0 – 9) mit Panorama Blick, direkt hinter der Startseite war ein großes Springerbecken wie in Berlin. An der Wendeseite war eine große Glasscheibe, dahinter ein weiteres 50m Becken zum Ausschwimmen / Einschwimmen und Trainieren ebenfalls mit 10 Bahnen.
Das Feeling beim Wettkampf war zwar nicht wie bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2019, da in Baku die Tribünen nicht so voll waren wie in Berlin. Dennoch war es ein „Spitzen-Gefühl“, Deutschland bei dem European Youth Olympic Festival zu vertreten (EYOF), mir hat es Spaß gemacht.

Ich bin die 100 m und 200 m Rücken geschwommen, in den Vorläufen kam ich auf den 6. und 7 Platz. Doch leider gibt es bei dem Wettkampf die Regel, dass nur ein Schwimmer pro Nation in das Halbfinale darf. Es war leider eine andere Sportlerin vor mir. Ich bin trotzdem sehr stolz auf mich, mein Ziel für die Saison 2018/19 für den Wettkampf zu qualifizieren. Dazu bin ich noch die 4×100 m Freistil Staffel mit den Mädels Amelie Zachenhuber, Chiara Klein und Leonie Märtens geschwommen. Wir haben einen tollen 6. Patz belegt.

Ich war mit dem ganzen Wettkampf einiger Maßen zufrieden, leider hatte ich mehr erhofft. Aber ich bin in der Vorbereitung ausgefallen. Nach Pfingsten war ich 10 Tage nicht im Wasser, da ich mir eine Kopfverletzung zugezogen hatte. Als ich im Chemnitz war, konnte ich auch nicht gescheit trainieren, da ich die ganze Zeit Husten und Schnupfen hatte. Ich fand das total schade, aber die Zeit kann man eben nicht mehr zurück drehen.
Die Eröffnungsfeier war echt total cool, wir sind mit mehreren Reisebussen zur Crystal Arena gefahren. Auf der Fahrt dahin war ich mit Engländern in einem Bus. Mit ihnen hab ich viel geredet und habe internationale Freundschaften geschlossen. Das war echt Klasse. Alle Nationen sind nach einander eingelaufen und es war total viel Stimmung da; es war einfach aufregend und schön. Wir hatten alle ganz viel Spaß.

Vor einigen Monaten hattest du dich verletzt. Wie kommt die Genesung voran?
Ich weiß jetzt nicht genau welche Verletzung Sie meinen, aber ich habe schon viele Verletzungen hinter mir. Meine Kopfverletzung ist gut geheilt, nach 2 Monaten war nichts mehr zu spüren. Im Trainingslager letztes Jahr hab ich mir am Knie meine Bänder gezerrt, das ist nach 2 Wochen auch geheilt. Soweit geht es mir gut und alle Verletzungen sind geheilt, ich danke Ihnen für die Nachfrage.

Wie schaute bis Mitte März 2020 ein normaler Wochentag bei dir aus?
Als normalen Wochentag suche ich mir den Donnerstag aus. Dazu stehe ich früh um 5:35 Uhr auf. Fahre um 6:10 Uhr zur Schwimmhalle am Freibergerplatz. Um 7:00 Uhr startet meine erste Athletik-Einheit an diesem Tag, meistens machen wir Sprungkraft, Stabi-Training, ganz selten auch mal Krafttraining. Von 8 – 10 Uhr habe ich Schwimm Training, meistens schwimmen wir zwischen 4 – 6 km. Um 12:20 Uhr habe ich dann Schule bis 14:50 Uhr (3 Unterrichtsstunden: Chemie, Physik und Englisch). Dann fahre ich wieder zur Schwimmhalle und habe von 15:30 Uhr bis 17:00 Uhr Athletik-Training (Dehnung, Stabilität, Schnellkraft, usw.), danach von 17 – 19 Uhr Schwimmen. Nach dem Training fahre ich nach Hause, mache was für die Schule und gehe schlafen.

Welche sportlichen Ziele hattest du für diese Saison (mit Stand Anfang März 2020, als die Sportstätten noch offen hatten)?
Meine Ziele für diese Saison waren, dass ich mich für die Jugend Europa Meisterschaften (JEM) in Aberdeen qualifiziere. Meine Qualifikationswettkämpfe waren in Den Haag vom 2. April bis 5. April und in Eindhoven das Wochenende darauf. Diese sind leider ausgefallen. Dazu ist mein Ziel für dieses Schuljahr, ein gutes Zeugnis zu bekommen. Die Schule ist sehr wichtig, vor allem jetzt, wo ich in der Schulzeitdehnung (9. und 10. Klasse auf 3 Jahre gestreckt) bin.

Und welche für die Zukunft?
Die Ziele für meine Zukunft sind, dass ich weiterhin gut in der Schule bin, im Sport nach der Corona Pause wieder ordentlich trainieren kann und mein Ziel JEM 2020 verfolgen kann. (Die JEM wird verschoben)

Was sind deine Hauptstrecken?
Meine Hauptstrecken sind 50 m, 100 m und 200m Rücken, nebenbei schwimme ich gerne 50 m und 100m Freistil sowie 50 m Schmetterling. Also eigentlich mehr die Sprintstrecken.

Hast du Vorbilder?
Mein Vorbild ist Sarah Sjöström, da sie wirklich schon total viel in ihrer sportlichen Karriere erreicht hat. Sonst habe ich keine weiteren Vorbilder.

Beim Sport geht es ständig um Verbesserungen. Im Training, im Wettkampf. Was möchtest, was musst du noch an dir verbessern?
Klar, bei mir ist noch Einiges ausbaufähig, zum Beispiel meine Drehung bei den Wenden, da verliere ich einige Zehntel. Meine Reaktionszeit auf dem Block, dazu muss ich noch ein bisschen an der Kraft arbeiten. Bis Mitte März 2020 hatte ich sehr viel an meinem Rückenstart gearbeitet, nach der längeren Pause möchte ich gerne weiter meinen Start verbessern. Ich hoffe, dass ich schnell wieder ins Training reinkomme und es mir nicht so sehr schwer fällt.

Vielen Dank für das Interview und für die nächsten (Teil)Ziele viel Erfolg!

Link – weitere Infos und Bilder: https://www.mirkoseifert.de/sportler/id/8496/