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Interview Lynn Krukenberg (Wasserball)

Das folgende Interview wurde im Rahmen des „Newsletters der Wfr Spandau 04“ im April 2020 als PDF veröffentlicht.

Lynn Krukenberg, Jahrgang 1998, wechselte in dieser Saison von Hamburg zu den Spandauern. Sie spielt seit über 14 Jahren Wasserball. Ich sprach mit ihr über ihren Werdegang und über die aktuelle Situation.
LInk: Bilder auf Mirko Seifert

Lynn Krukenberg
Berlin, 2.2.2020: DWL Frauen Saison 2019-20. Wfr Spandau 04 (weiße Kappen) gegen SV Nikar Heidelberg (blaue Kappen). Endstand: 23:10 (7:3; 7:2; 4:2; 5:3). *** Lynn Krukenberg

 

Du hast bereits mit 8 Jahren begonnen Wasserball zu spielen: wie kam es dazu, wie verliefen die ersten Jahre?

Ich habe klassisch, wie die meisten Wasserballer mit Schwimmen angefangen und weil dies sich recht langweilig gestaltet, habe ich angefangen zusätzlich Wasserball zu spielen. Meine Geschwister und mein Vater haben es genauso gemacht, daher stellte sich für mich nie die Frage dafür. Ich habe beim ATSV in Hamburg angefangen, ein kleiner Verein, in dem auch mein Bruder eine Zeit lang mein Trainer war. Ich habe ab und zu mit meinem anderen Bruder und sogar meinem jetzigen Freund gespielt, da wir nicht viele Spieler hatten, habe ich bei den Älteren ausgeholfen. Als ich dann zu alt wurde für den Mixed-Bereich und wir zu wenige durch den fehlenden Nachwuchs wurden, bin ich zum ETV gewechselt, da es die einzige Mädchenmannschaft in Hamburg war und meine große Schwester da auch schon spielte.

Mit 15 Jahren dann erster internationaler Einsatz für Deutschland. Welche Erinnerungen hast du noch daran?

Wir, Mädchen vom ETV Jahrgang ´98, wurden zum Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft eingeladen. Ich ging mit keinem guten Gefühl dort weg, da der Trainer Milos genaue Vorstellungen hatte und ich viele Bereiche nicht abdecken konnte. Dennoch sah er Potential in mir und lud mich zum nächsten Lehrgang wieder ein. Mein erster offizieller Einsatz war dann die Qualifikation für die ersten Europäischen Spiele in Baku 2015, welche in Belgrad stattfanden. Wir haben gegen die Serbinnen gespielt und konnten das Turnier für uns entscheiden und sind im Anschluss einige Monate später nach Aserbaidschan geflogen. Die Eindrücke dort waren gigantisch! Es gab eine schicke Einkleidung für alle Deutschen Athleten und der Wasserball war mit der Jugend vertreten, was aber nicht für alle Sportarten galt. Somit trafen wir auch Athleten, wie Fabian Hambüchen. Dort konnten wir erfolgreich den siebten Platz belegen und somit im darauffolgenden Jahr zur WM nach Neuseeland fliegen.

Mit der Saison 2019-20 bist dann von Hamburg (ETV Hamburg) nach Berlin gewechselt. Warum?

Mit den Wasserfreunden wurde mir die Chance geboten neben der Bundesliga auch im internationalen Bereich in der Champions League zu spielen. Zudem habe ich bei den Wasserfreunden ganz andere Möglichkeiten zu trainieren. Neben 8-9 Wassereinheiten die Woche, kommt noch Krafttraining dazu. Mit mir spielen noch weitere Nationalspielerinnen und dies nicht nur aus Deutschland. So kann ich meine Qualitäten besser ausbauen und habe noch mehr Chancen mich weiterzuentwickeln.

Welche Lieblingsposition bekleidest du bei den Wasserfreunden?

Am liebsten spiele ich in der Center-Verteidigung, durch meine langen Arme habe ich dort viele Vorteile! Ab und zu gehe ich auch mal in den Center, bei den Wasserfreunden versuche ich meinen Angriff zu vervielfältigen und meinen Horizont zu erweitern. Unser Trainer zeigt uns viele Tipps und Tricks, um im Angriff, sowohl als auch in der Verteidigung noch gefährlicher zu werden.

Ihr trainiert viel, auch noch spät am Abend oder nach Champions League Spielen der Männer und z. T. am Wochenende. Welches Ziel verfolgt ihr damit?

Wir wollen in der kommenden Saison wieder in der Champions League teilnehmen, doch wollen wir dieses Mal in die zweite Runde kommen, um auch über die Saison verteilt noch mehr Spiele international zu haben! Dafür müssen wir noch viel trainieren und an unserer Taktik arbeiten. Je mehr wir physisch fit sind, desto besser können wir es auch mental werden, dazu gehört viel Training.

Welche Eigenschaften sollten junge Frauen mitbringen, die auch Wasserball spielen wollen?

Neben viel Durchhaltevermögen und Ehrgeiz, gehört auch Teamfähigkeit zu einer der Eigenschaften, die Mädels mit Interesse mitbringen sollten. Wir freuen uns über jeden, der mit uns den harten, aber auch viel Freude bringenden Weg gehen möchte.

Schaust du Wasserball von anderen Vereinen bzw. Ländern?

Gerne schaue ich erstklassige Spiele, doch am liebsten Live und vor Ort, denn da bekommt man einen viel besseren Eindruck und spürt die Spannung, die im Wasser und dem Spiel vorgeht noch mehr. Neben unserem Training, gehört aber auch Spielanalyse mit dazu. Daher schauen wir unsere eigenen Spiele auch viel, um Situationen zu analysieren und Taktiken besser zu verstehen und umzusetzen.

Welche sportlichen Ziele hast du?

In der kommenden Saison möchte ich mit meinem Team in die nächste Runde der Champions League kommen und auch mit Spandau international auftreten. Langfristig ist mein Traum einmal an Olympia teilzunehmen, dafür gibt Spandau mir viele Möglichkeiten an mir und meinem Können zu arbeiten.

Wie sieht eine typische Woche bei dir aus?

Aktuell studiere ich Stadtplanung im Bachelor und möchte noch dieses Jahr meinen Abschluss machen. Daher ist eine typische Woche: morgens aufstehen und zum Training, dann etwas essen und in die Uni gehen oder von zu Hause Dinge zu erledigen, dann geht’s wieder ins Training und abends bin ich froh, wenn ich im Bett liege! Durch die Spiele am Wochenende oder zum Teil Trainingswochenenden, ist die Woche meist voll.

Woran könnte es liegen, dass der Stellenwert in Deutschland gegenüber eurer Sportart geringer als
z. B. gegenüber anderen Mannschaftssportarten wie Handball oder Volleyball ist?

Wasserball ist kein besonders populärer Sport in Deutschland. Daher fließen hier ganz andere Gelder und so werden Spiele ganz anders aufgemacht und präsentiert. Außerdem sind die Erfolge Deutschlands im internationalen Bereich leider seit längerem nicht mehr im Medaillenbereich und somit liegt die Aufmerksamkeit eher auf anderen Sportarten.

Mit der „Women’s Euro League“ im Herbst 2019 in Schöneberg fand zum ersten Mal ein internationales Frauen-Wasserballturnier statt. Was unterscheidet die Teams aus dem Ausland gegenüber den Teams in Deutschland?

Zum einen haben die Teams den Vorteil uns gegenüber gehabt, dass die meisten ihrer Spieler bereits internationale Erfahrungen sammeln konnten und dies meist auch als Team. Somit war es für die anderen Teams nicht der erste Auftritt bei der Euro League. Außerdem hatten wir den Nachteil, dass wir zuvor nur ein Spiel gemeinsam als Team bestreiten konnten, da die Bundesliga in Deutschland erst viel später anfängt. Die anderen Teams hatten bereits mehrere Spiele in ihrer Liga und waren so schon eingespielt. Hinzukommt, dass wir in der letzten Saison viele neue Spielerinnen hatten und wir erst bei der Euro League selber das erste Mal die Möglichkeit hatten mit allen Spielerinnen gemeinsam zu spielen.

EM Budapest 2020. Deutschland beendete das Turnier mit Platz 11. Welche Erkenntnis hast du aus dem Turnier mitgenommen?

Bei der EM haben wir zwar nur den elften Platz belegt, doch konnten wir viele Erfahrungen sammeln. Wir sind ein junges Team und hatten ein neues Trainerteam um uns herum. Die anderen Nationen haben international viel mehr Auftritte und trainieren mehr zusammen, was uns leider nicht möglich war.

Derzeit setzt der Coronavirus den nationalen wie internationalen Sport außer Kraft. Wie gehst du, wie geht die Mannschaft damit um?

Wir sind leider dadurch gezwungen nicht mehr zusammen im Wasser zu trainieren. Daher haben wir von unserem Trainerteam Athletikpläne für zu Hause bekommen und tun nun alles, um weiterhin Best möglichst in Form zu bleiben, damit wir, sobald wir wieder ins Wasser können, möglichst an dem Punkt weitermachen können, wo wir aufgehört haben, um nicht in ein allzu großes Defizit zu kommen. Dies ist natürlich nicht so leicht und gestaltet sich nicht so spaßig, wie zusammen im Wasser zu trainieren, aber uns zeichnet das Durchhaltevermögen und der Ehrgeiz aus, weshalb alle von ihr Bestes geben.

 

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und weiterhin alles Gute.