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Interview Nicole Vunder (Wasserball)

Das folgende Interview wurde im Rahmen des „Newsletters der Wfr Spandau 04“ im November 2019 als PDF veröffentlicht.

Nicole Vunder (Jahrgang 2002) wechselte vom SC Chemnitz nach Berlin. Sie spielte 2019 bereits bei der U17 EM in Griechenland und gewann ihren ersten Titel am 3.10.2019 in Berlin – beim Supercup-Sieg der Wfr Spandau 04.

Nicole Vunder beim Euro League Spiel im Oktober 2019.
Nicole Vunder beim Euro League Spiel im Oktober 2019.

Wie gefällt es dir in Berlin?
Es gefällt mir gut. Berlin ist eine Riesen-Stadt im Vergleich wo ich her komme, das war am Anfang eine kleine Herausforderung für mich. Ich habe mich aber gut eingelebt und wurde super von meinem neuen Team aufgenommen.

Wie bist du zum Wasserball gekommen?
Meine älteren Geschwister spielten Wasserball. Dann entschied ich mich auch mal vorbei zu schauen und es hat mir sehr gefallen, sodass ich mich auch dafür entschied, mich im Verein SV Fortuna Auerbach (damals) SG Auerbach/Netzschkau (heute) anzumelden. Da ging ich 2-mal pro Woche zum Wassertraining.

Nach einigen Wochen und Trainingseinheiten in Berlin kannst du sicherlich schon einige Unterschiede zu deinem bisherigen Verein ziehen. Was ist anders, worauf musstest du dich einstellen?
Ich musste mich auf mehr Schwimmtraining einstellen. Im Gegensatz zu Chemnitz machen wir auch jeden Tag Krafttraining. Mein neuer Trainer Marko Stamm achtet auch mehr auf meine Schusstechnik und ich bekomme immer Tipps, was ich besser machen kann. Das ist sehr hilfreich für mich und vor allem für meine sportliche Entwicklung. In meinem alten Verein war ich auch mit eine der ältesten, also war der Altersdurchschnitt sehr niedrig, somit hatte ich keine erfahreneren Spielerinnen, von denen ich noch einiges lernen konnte. Hier in Berlin ist es anders; ich habe ältere Spielerinnen, die auch in der Nationalmannschaft spielen und von denen ich immer wieder neues dazulerne.

Warum bist du vom SC Chemnitz nach Berlin gewechselt?
Ich wurde angefragt, ob ich zu Spandau wechseln möchte. Für mich war klar, dass ich hier die beste sportliche Entwicklung machen kann. Ich kann mehr Erfahrungen auch auf internationaler Ebene sammeln und in der Bundesliga auch mal ganz vorne mitmischen.

Du gehst noch zur Schule. Wie ist die Abstimmung zwischen Schule, Training und Wettkampf?
Die Abstimmung ist super. Ich gehe auf die Sportschule im Olympiastadion, also haben die Lehrer immer vollstes Verständnis, wenn ich mal im Unterricht fehle, da werde ich immer freigestellt.
Ich bin jetzt in der Oberstufe, da habe ich immer extra später Schulbeginn. Das heißt, ich kann ohne Probleme zum Frühtraining gehen und anschließend im Unterricht sein.

Wo möchtest du dich sportlich noch verbessern?
Ich möchte viel mehr Erfahrung sammeln. So kann ich im Spiel Situationen schneller erfassen und dementsprechend agieren. Natürlich möchte ich auch schneller werden und einen präziseren Schuss bekommen. Ich möchte im Spiel unberechenbar für den Gegner sein. Und da bin ich mit Spandau auf dem besten Weg.

Du spielst im Angriff und hast beim Supercup am 3.10.2019, dem Sieg deiner Mannschaft, einige Tore beigesteuert. Wie wichtig sind dir Tore, die Spielweise und das Endergebnis?
Durch Tore gewinnt man logischerweise das Spiel. Ich finde jedoch, dass die Verteidigung natürlich genauso wichtig ist. Durch viele Spielzüge passiert auch mehr Bewegung und so entstehen mehr Lücken in der Verteidigung. Also ist es im Spiel genauso wichtig, mit dem Kopf dabei zu sein. Ich mag es gar nicht, wenn die Gegner anfangen unfair und aggressiv zu agieren. Ein Spiel sieht auch für den Zuschauer schöner aus, wenn es fair ist und vor allem wenn mehr Bewegungen passieren. Für mich ist es wichtig, mit einem guten Gefühl, einem guten Spiel und einem Sieg in der Tasche aus dem Wasser zu gehen.

Du hast schon viele internationalen Einsätze gehabt (z. B. 2016 U18 WM in Auckland, 2018 EM, 2019 U17 EM). Wie gehst du mit dem Druck, den Erwartungen, um?
Bei meinem ersten Einsatz mit der Nationalmannschaft war ich sehr aufgeregt, aber mittlerweile hat sich das gelegt. Ich komme ganz gut damit klar und wenn ich genau weiß, was von mir erwartet wird. So versuche ich, die Erwartungen bestens zu erfüllen. Den Druck versuche ich immer abzulegen und das gelingt mir gut. Ich konzentriere mich dann einfach auf mich, höre Musik und versuche alles nochmal in Ruhe durchzugehen.

Du wurdest mit 14 Jahren bereits schon im internationalen Wasserballgeschäft eingesetzt. Wie hat dich dies damals geprägt, welche Anforderungen wurden an dich gestellt?
Ich habe seit dem noch viel mehr Spaß an diesem Sport gefunden. Ich hatte neue Herausforderungen und wuchs immer mehr über mich hinaus. Und habe mir auch seit dem Zeitpunkt gesagt, dass ich noch mehr dafür tun werde, um weiter und höher in der Nationalmannschaft spielen zu können. Dadurch, das ich komplett neu war, hatte ich auch keine großen Anforderungen und es gab keine hohen Erwartungen an mich. So ich konnte mein Spiel einfach ohne Druck frei auf spielen.

Welche Ziele verfolgst du mit deinem neuen Verein, welche mit der Nationalmannschaft?
Ich möchte mit Spandau möglichst gut in der Champions League abschneiden und natürlich den Titel Deutscher Meister verteidigen und eine Hammer-Saison spielen.
Mit der Nationalmannschaft möchte ich mich mit den Frauen erstmal für die EM zu qualifizieren, am Samstag ist das Spiel gegen Rumänien. Weitergehend dann hoffentlich an der EM teilnehmen und eine gute Platzierung hinlegen [das deutsche Team qualifizierte sich für die EM 2020 in Budapest, Anm. d. Red.]. Dazu kommt, dass für die U19 nächstes Jahr auch eine EM ansteht. Da ist es mein Ziel, natürlich dabei zu sein und eine Führungsrolle zu übernehmen.

Vielen Dank für das Interview und für die Zukunft alles Gute!