News

Zwischenzeiten sind kein Bestandteil der Bestenliste

Autor: Mirko Seifert

Die Zwischenzeit
Bereits seit Jahren werden Zwischenzeiten nicht für die Bestenliste des DSV gewertet. Ein Blick in die Regularien sichert die Rechtskenntnis.

Aktuelles Beispiel für falsche Interpretationen sind die Sportler Poul Zellmann und Leonie Kullmann. Beide schwammen in ihren Rennen die ersten 200 m Freistil „Vollgas“, um sich dann zu erholen.
Poul Zellmann schwamm die ersten 200 m Freistil seines 800 m Freistilrennens am 15.4.2018 eine 1:51,42 Min., bevor er dann in Rücken/Freistil im 50er Wechsel die Strecke in 8:29,22 Min. beendete. Immerhin, letzter wurde er im zeitschnellsten Lauf nicht.
Leonie Kullmann schwamm in Mesa, USA, die ersten 200 m Freistil (1:59,49 Min.) ihres 400 m Freistilrennens ebenfalls „volle Pulle“ und trudelte dann in Kraul aus.

Bei beiden gilt: laut Wettkampfbestimmungen Fachteil Schwimmen (vom 12.2.2018), § 141 Abs. 3 werden „ … die erzielten Zeiten von Teilstrecken in Einzelwettkämpfen (Zwischenzeiten) … in die Bestenlisten nicht übertragen.“ Da die DSV-Nominierungsrichtlinien für die EM 2018 darauf Bezug nehmen, gibt es (theoretisch) auch keine Ausnahme.

Hinsichtlich der Schwimmverbände gibt es dennoch Unterschiede. Der DSV verbietet die Aufnahme von Zwischenzeiten; die USA hat dafür andere Regelungen:
– Zwischenzeiten als reguläre Einzelstrecken sind erlaubt, wenn sie vorher angekündigt werden;
– auf Wunsch wird dafür eine separate Wettkampfnummer erzeugt, die auf dem Umweg auch nach Deutschland in die Bestenliste finden könnte;
– diese Wettkampfnummer würde dann nur diese Teilstrecke ausweisen; wer nicht weiß, dass diese Strecke aber eine Teilstrecke war, wird den Unterschied nicht feststellen;
– bei der Zeitmessung muss das Kampfgericht diese mit mind. 2 Uhren absichern; bei keiner elektronischen Zeitmessung müssen 3 Uhren vorhanden sein;
– der Schwimmer muss am Ende der Teilstrecke in der regulären Schwimmart die Wand berühren (z. B. in Kraul mit der Hand; in Rücken mit der Hand – ohne Wende);
– der Schwimmer muss die restlichen Meter in der regulären Schwimmart zu Ende schwimmen (z. B. bei 200 m Schmetterling: auch wenn die ersten 100 m Vollgas geschwommen wurden müssen die zweiten 100 m nach den Regularien Schmetterling weitergeschwommen werden);
– als eine weitere, zusätzliche Variante bietet der US-Schwimmverband die sog. Time Trials an: sollte das Kampfgericht dies akzeptieren, kann der Sportler einen eigenen Lauf über seine Strecke innerhalb des Wettkampfes schwimmen; dies wird extra berechnet, hat aber den Vorteil, dass man z. B. seine Zeit verbessern könnte bzw. der Sportler schwimmt eine Strecke, die gar nicht im Wettkampfprogramm steht;

Die andere Lage
Es kommt immer wieder vor, dass Sportler die Freistilstrecken für andere Lagen als Kraul nutzen. In meiner vorliegenden Liste habe ich 40 (!) Einträge, die das belegen. Das schwierige daran ist, dass die Abweichungen von Freistil (Kraul) nicht im Protokoll auftauchen. Man(n) muss schon dabei gewesen sein, um es mitzubekommen.

Auf einem anderen Blatt steht der Anspruch nach Sinn und Sportlichkeit. Was sollen die anderen Sportler denken, wenn plötzlich der Sportler den Turbo startet und dann nach geschwommener Teilstrecke mit Rücken und Kraul herumeiert? Tempomacher sind im Schwimmen verboten. Zumindest in der Anfangsphase erfüllt dieser Schwimmer diesen Tatbestand.

Andere Schwimmer, die von Beginn an auf eine andere Lage setzen, haben andere Beweggründe. Erinnert sei hier an die legendären 1500 m Schmetterling-Rennen von Tom Heclau in 2011. Oder an David Wolf, der mit einer Wette 130 Euro einnahm, als er beim Weihnachtsschwimmen 2013 die 1500 m Schmetterling schwamm, am Ende aber disqualifiziert wurde. Das Geld hatte er jedenfalls sicher.

Verschlagwortet mit