(Rand)Notizen, DKM, News

Vier emotionale (Kurz)Geschichten zur DKM 2017

Autor: Mirko Seifert

4 (Kurz)Geschichten im Umfeld der Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2017 vom 14. bis 17.12.2017 in Berlin.

Tränen der Freude, Tränen der Enttäuschung
16.12.2017, 200 m Lagen der Frauen:
Juliane Reinhold schlägt als zweite im Finale über 200 m Lagen an. Kurzer Blick auf die Anzeige: Freude pur, innere Genugtuung, Lächeln, die Anspannung entlädt sich. Doch der gleich Blick auf die Anzeige einige Sekunden später macht aus Tränen der Freude Tränen der Enttäuschung: „DQ“ steht plötzlich dort. Juliane wirkt skeptisch. Wie kann das sein? Der Sprecher hatte die „DQ“ (Disqualifikation) noch nicht bekanntgeben. Das erfolgte erst einige Zeit später. Juliane war auf dem Weg zu ihrem Trainer Frank Embacher. Dieser saß noch auf der Trainertribüne und hörte den Grund der Disqualifikation: „Die Schwimmerin beendete die Teilstrecke Rücken nicht in Rückenlage“. Er schüttelt nicht nur den Kopf. Kurze Zeit später kam Juliane zu Frank und dann gab es kein Halten mehr: die Tränen kullerten. Mitfühlend legte ihr Trainer um Juliane. Es war das bittere Ende eines harten 200 m Lagenrennens.

Juliane Reinhold (li) am Boden. Platz 2 durch zwei Buchstaben "DQ" zunicht gemacht.
Juliane Reinhold (li) am Boden. Platz 2 durch zwei Buchstaben „DQ“ zunicht gemacht.

Anspannung bis kurz vor dem Start
16.12.2017, 50 m Freistil B-Finale der Frauen. Amelie Zachenhuber.
Schon vor den Beginn des Finals um 16.00 Uhr stand fest, dass es knapp werden wird: nicht nur das die 50 m Freistil ein knappes Rennen werden sollte, sondern auch die anschließende Fahrt zum Flughafen Tegel. Amelie sollte am Sonntag in Regensburg bei einem Wettkampf an den Start gehen.
Das Finale am Sonntag war gegen 18.56 Uhr geplant, doch schon eine Stunde später sollte der Flug in Tegel starten. Ein Sprint wie über 50 m Freistil von der SSE nach Tegel war also anschließend angesagt. Klar, die Beteiligten (Sportler, Mutter und Trainer) beschäftigten sich mit dem Thema. Es sollte knapp werden. Es ist möglich in dieser Zeit zum Flughafen zu gelangen? Sollte man ein Taxi oder die Bahn nehmen?
Amelie gab ihre Antwort im Wasser: zuerst schwamm sie Altersklassenrekord in 25,48 Sek. der AK 13. Gleich nach dem Zieleinlauf ging es mit der S-Bahn zum Flughafen. Das letzte Stück noch mit dem Taxi, immer die Hinterfrage im Kopf: werden wir es rechtzeitig schaffen? Am Ende glückte die Hatz: der Trainer stand mit einem Burger in der Hand am Flughafen, das Boarding hatte noch nicht begonnen. Eine Tür am Flieger war defekt und musste erst repariert werden.
Beim Wettkampf in Regensburg schwamm dann Amelie doch noch einen Altersklassenrekord über die 50 m Schmetterling (50 m Bahn). Fazit: ein spannendes Wochenende für Fam. Zachenhuber ging am Sonntag noch glücklich zu Ende.

Fam. Zachenhuber und Trainer Elli.
Fam. Zachenhuber und Trainer Elli.

Leiser Abschied eines stillen aber erfolgreichen Trainers
17.12.2017, Ende einer Ära: Norbert Warnatzsch muss Trainerstelle im Dezember 2017 in Potsdam beenden. Wie „Startblog“ schreibt, hat es der DSV versäumt, sich offiziell von seinem „erfolgreichsten Trainer seit der Wende zu verabschieden“. … „Bei den Verhandlungen in der brandenburgischen Landeshauptstadt um die Bundesstützpunkt-Bewerbung Potsdams hatte der DSV darauf bestanden, dass eine Fortsetzung der Trainertätigkeit des mehrfachen „Trainer des Jahres“ in Potsdam nicht stattfinden darf.“
Norbert trainiert zurzeit (noch) Johannes Hintze, den er seit 2014-15 (damals noch mit Hr. Luckau) mitbetreute. Es kam nicht von ungefähr und lässt sich jetzt erst einordnen: Johannes Hintze wurde zweimal bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin interviewt. Einmal bedankte er sich bei Norbert. Als ich das hörte konnte man das gesagte nicht einordnen, doch jetzt macht es Sinn: die Sportler wussten es, dass Norbert zum 31.12.2017 Potsdam verlassen muss. Es war ein offizielles „Dankeschön“ bei einer offiziellen Veranstaltung.
Es ist unklar, wie es in Potsdam mit den Sportlern der TG Warnatzsch weitergeht. Was die Trainerfrage angeht steht der Junioren-Weltmeister (200 m Lagen) und zweifache Deutsche Kurzbahnmeister 2017 (200 und 400 m Lagen) Johannes Hintze ab Januar (erstmal) ohne Trainer da.

Link: facebook Startblog

Norbert Warnatzsch (li) und sein Sportler (re) während des Einschwimmes der DKM.
Norbert Warnatzsch (li) und sein Sportler (re) während des Einschwimmes der DKM.

 

Wem gehören die Bäder Betriebe in Berlin?
17.12.2017, Beginn der Vorläufe: man musste schon genauer hinschauen, um den Text und die Botschaft dahinter zu verstehen. In der Nacht vom 16. zum 17.12.2017 wurde der Schriftzug „Berliner Bäder Betriebe“ in der SSE durch „Beates Bäder Betriebe“ überklebt. Keine leichte Aufgabe, denn der Schriftzug ist nicht ohne Leiter zu erreichen und die Größe der Buchstaben muss auch erstmal angefertigt werden. Ohne konkrete Hintergrundinformationen ist diese Anspielung nicht zu verstehen. Ich war selber am 17.12. nicht beim Wettkampf, ich war in Dresden beim Christstollenschwimmfest.

Das war natürlich auch Thema in Dresden. Wenn auch mit anderen Vorzeichen. Klammert man die Kommunikation der Beteiligten in Berlin einmal aus und lässt nur Fakten sprechen, dann steht eines fest: bei großen Schwimmfesten, egal wo sie stattfinden, egal durch wen sie veranstaltet werden, wird ab einer bestimmten Anzahl von Schwimmern das Wasser erheblich beansprucht. Bademeister kennen das. Die Wasserwerte stimmen dann nicht mehr und es dauert, bis diese Werte wieder Normalstatus erreichen. Das 50 m Becken in der SSE war z. B nach einem Wettkampf am 6.3.2017 gesperrt.
Doch was bringt diese Werte aus dem Gleichgewicht? Sind es die Härchen, die Haarbüschel oder nicht zu erkennendes „Treibgut“ auf dem Beckengrund? Treibgut versachte einmal einen Abbruch eines Schwimmwettkampfes der SSE. Oder ist es der „Rotz“, der immer mal wieder aus der Nase „kriecht“ und sich verteilt? In all den Jahren habe ich schon einiges davon aufnehmen können.
Der Hauptgrund für das Ungleichgewicht des Wassers bleibt bei großen Veranstaltungen aber der Urin. Das bestätigen immer wieder Bademeister. Sich nicht die Hände nach der Toilettenbenutzung zu waschen der ist das eine, das Bad als Toilette zu benutzen das andere. An beiden kann man arbeiten.

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