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Diabetes im Sport – Mette Haak

Autor: Mirko Seifert

So ungewöhnliches ist es nicht, dass (Leistungs)Sportler mit einem Gegner zu kämpfen haben, der rund um die Uhr gegen den Sport ist – Diabetes. Ich sprach mit einer betroffenen Schwimmerin der Wasserfreunde Spandau 04, Mette Haak (13).

Mette Haak
Mette Haak

Seit wann schwimmst du?
Ich schwimme seit Dezember 2011.

Wie sieht ein typischer Schultag bei dir aus?
In der Regel beginnt mein Tag um 6 Uhr morgens. Ich mache ich fertig und 1 Stunde später fährt mein Vater mich dann zur Schule. Dort habe ich 2 Schulstunden Unterricht und dann geht es zum Training. Meine Schule und Trainingsstätte sind direkt nebeneinander, so muss ich noch nicht mal 1 Minute laufen. Ich habe 2 Stunden Training und danach 1 Schulstunde, in der wir Zeit haben zu essen, uns umzuziehen oder uns auszuruhen. Anschließend haben wir noch mal 3-4 Schulstunden Unterricht, bevor unser 2. Training beginnt. Das dauert ebenfalls 2 Stunden, außer Dienstag und Donnerstag, da haben wir 1,5 Stunden zusätzliches Landtraining. In einem Training schwimmen wir ca. 5 km. Abends bin ich zwischen 19 und 20 Uhr zuhause.

Bei wem und mit wem trainierst du?
Ich trainiere bei meinem Trainer Sven Spannekrebs und mit meiner Klasse, der 8s2, zusammen mit der 7. Klasse.

Diabetes wurde bei dir schon vor einigen Jahren festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt bist du noch nicht geschwommen. Mit dem Schwimmen hast du kurze Zeit später begonnen. Was musst du beim Sport beachten?
Ich muss vor, während und nach dem Training meinen Blutzucker messen. Wenn dieser zu niedrig ist, hat mein Trainer immer einen Müsliriegel oder einen Saft für mich parat. Wenn mein Zucker zu hoch ist sollte, muss ich ihn weiter kontrollieren.
Wenn er allerdings sehr hoch ist, muss ich den Blutzucker senken, also Insulin spritzen.

Konntest du schon mal bei einem Wertkampf wegen deines Diabetes nicht an den Start gehen? Musst du vorsichtig sein, indem was und wann du isst besonders beim WK?
Ich konnte schon öfter nicht an den Start gehen, weil mein Blutzucker zu niedrig war, doch ich konzentrierte mich dann auf den nächsten Start und versuchte, meinen Blutzucker unter Kontrolle zu bekommen.
Essen kann ich was ich möchte, wenn ich ordentlich darauf achte zu messen und zu spritzen. Bei einem Wettkampf, sollte ich darauf achten nichts zu essen, was schnellen Zucker enthält, da dieser schnell ins Blut geht. Das kommt dann zu starken Blutzuckerschwankungen.

Hängt deine Leistung auch vom Zucker ab? Wenn ja, wie?
Ja, perfekt wäre mein Blutzucker im Bereich 120 und 150. Kleine Abweichungen sind nicht schlimm. Allerdings werde ich schwach und mir wird schwindelig bei einem Blutzucker unter 70. Ebenfalls verliere ich Kraft bei einem Blutzucker über 180.

Gibt es Regeln für das Spritzen bei Schwimmveranstaltungen, Stichwort Doping-Vorschriften?
Insulin steht auf der Doping Liste. Menschen mit einer Diabetes 1 Erkrankung, können allerdings Insulin nicht zum dopen verwenden.
Ich habe eine Bescheinigung über meine Erkrankung schon bei der NADA eingereicht.

Wie gehen die anderen Sportler in deiner Trainingsgruppe mit deiner Krankheit um?
Anfangs haben sie mir beim Messen und Spritzen noch komisch zugeguckt und mir Fragen gestellt. Doch jetzt kenne ich die Sportler in meiner Trainingsgruppe schon länger und diese gehen normal mit mir und meiner Erkrankung um. Es gehört zu deren Alltag dazu, dass sie mich beim Messen sehen.

Diabetes ist eine Krankheit. Es gibt beim Sport die gesunden Sportler und die mit Behinderung. Beide Sportklassen treten nicht gegeneinander an und haben ihre eigenen Wettkämpfe. Wo steht Diabetes: dazwischen oder ist es dennoch bei den körperlich nicht beeinträchtigten Athleten einzuordnen?
Zwar habe ich eine Behinderung zu 50%, doch wenn mein Zucker gut eingestellt ist, habe ich keine Beeinträchtigung dadurch. Daher zähle ich mich zu den körperlich nicht beeinträchtigten Sportlern.

Diabetes bei Sportlern, gibt es noch andere Aktive, die davon betroffen sind?
Ja, ich weiß von einigen Sportlern, die betroffen sind, doch ich habe noch keine kennengelernt.

Welche sportlichen und schulischen Ziele hast du?
Ich möchte weiterhin im Schwimmen aktiv bleiben und an weiteren deutschen Meisterschaften oder an anderen Wettkämpfen teilnehmen, für die ich mich qualifiziere. In der Schule ist mein nächstes Ziel erstmal, ein Auslandsjahr in Amerika zu verbringen. Später möchte ich mit einem guten Abitur die Schule abschließen.

Würdest du gern ein Vorbild sein für andere Kinder mit Diabetes?
Ich möchte nicht unbedingt ein Vorbild sein, doch ich würde gerne anderen Kindern zeigen, dass man trotz der Erkrankung leistungsfähig ist.

Wenn du einen beliebigen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Ich denke schon, dass der Leistungssport ohne Diabetes leichter wäre, allerdings denke ich, dass ich dadurch viel verantwortungsbewusster bin und es schon eine gewisse Wirkung auf mich hat.

Vielen Dank für das Interview und trotz der Einschränkungen auch weiterhin viel Erfolg und Kraft!

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