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Florian Wellbrock Interview

Autor: Mirko Seifert

2014 bei den DM über 1500 m Freistil Platz 19, 2015 Platz 12 – und 2016? Zur Zeit führt er die Bestenliste über diese Strecke an und ist eine der Favoriten über diese Strecke bei den DM 2016. Nicht nur das: nachdem er 2015 bei der WM Platz 5 über 5 km erreichte will er auch beim sportlichen Highlight 2016 mitschwimmen – den Olympischen Sommerspielen in Rio. Dazu müsste er sich in Berlin noch um 6 Sekunden steigern. Nicht unrealistisch, wenn man seine Entwicklung in den letzten 12 Monaten betrachtet. Ich sprach mit ihm über das Gestern und Heute:

Magdeburg, 21. Februar 2016: Abschnitt 2 der Nordd. Meisterschaften 2016 der Jahrgänge 1998-2004 (w), 1996-2004 (m) und der offene Klasse am 20. und 21.2.2016. Florian Wellbrock
Magdeburg, 21. Februar 2016: Abschnitt 2 der Nordd. Meisterschaften 2016 der Jahrgänge 1998-2004 (w), 1996-2004 (m) und der offene Klasse am 20. und 21.2.2016. Florian Wellbrock

Zur Zeit kommst du viel rum und bist in einigen Trainingslagern unterwegs. Zur Zeit (März/April) in der Sierra Nevada. Wie sieht dein und euer typischer Ablauf in den 3 bis 4 Wochen dort aus?
Florian: Der Tagesablauf ist eigentlich eher unspektakulär. Der Wecker klingelt morgens um 06:00. Wir fangen 06:30 mit der Erwärmung an und um 07:00 Uhr geht es für alle ins Wasser. Wenn wir mit unserem Trainingsplan durch sind ( ca. 09:00 Uhr) geht es anschließend direkt zum Frühstück. Die verdiente Mittagspause geht bis 13:30 Uhr. Nach 30 min Erwärmung dürfen wir wieder für 2 Stunden ins Wasser. Anschließend haben wir 45 – 60 min Pause bis es in den Kraftraum geht. Nach dem Athletiktraining haben wir Feierabend und warten hungrig auf das Abendessen.

Du bist in dieser Saison B-Kader im Freiwasser. Doch auch im 50 m Becken zieht es dich an die Spitze in Deutschland über 1500 m Freistil. Was favorisierst du – Freiwasser oder Becken?
Ich favorisiere eher die Wettkämpfe im Becken. Das liegt aber wahrscheinlich an der angenehmen Wassertemperatur für die immer gesorgt ist. Im Freiwasser fällt es mir schwer, wenn die Wassertemperatur unter 20 Grad Celsius liegt.

Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen Freiwasser und Becken?
Abgesehen von dem deutlichen Unterschied in den Streckenlängen, gibt es natürlich einige Unterschiede. Ein Hauptunterschied ist natürlich das Pulkschwimmen. Man muss den Überblick im Feld behalten und darf sich von anderen Schwimmern nicht überschwimmen lassen. Mitten im
Feld muss man gut einstecken, aber auch austeilen können um mitzuhalten.
Im Becken hingegen ist es ziemlich egal was die anderen machen. Man muss/kann sich auf sein eigenes Tempo konzentrieren und sein eigenes Ding durchziehen.

Bei deinen 1500 m Freistil Auftritt beim Gothaer Pokal 2016 fiel mir auf, dass du relativ wenige Armzüge brauchst. Habt ihr da in der Vergangenheit daran gearbeitet? Immerhin schwimmst du auch Freiwasser und dort kann man die Beckentechnik meistens nicht einsetzen (Stichwort: aufschauen wo man schwimmt).
Ich habe schon immer relativ wenige Züge auf einer Bahn gemacht und viel mit den Beinen gearbeitet. Seitdem ich in Magdeburg trainiere, sind es vielleicht noch ein paar Züge pro Bahn weniger geworden, weil ich insgesamt einfach schneller geworden bin.
Im Freiwasser mache ich eigentlich dasselbe weil ich so am ökonomischsten schwimme. Das Aufschauen im Freiwasser hat ja nicht wirklich Auswirkung auf die Zugzahl pro Meter.

Du hattest die Wahl, 2014 entweder von Bremen nach Hamburg oder nach Magdeburg zu wechseln. Warum entschiedest du dich für Magdeburg?
Ausschlaggebend war für mich die Ausrichtung auf die langen Strecken und die Freiwasserwettkämpfe, die in Magdeburg einfach gegeben ist. In Magdeburg ist eine große Trainingsgruppe mit vielen Langstreckenschwimmern und da bin ich sehr gut aufgehoben.

Dein Trainer in Magdeburg ist seit 2014 Bernd Berkhahn. Fiel es dir schwer sich auf Magdeburg und Bernd einzustellen?
Ich kann mich daran erinnern, dass ich anfangs sehr viel Muskelkater hatte. Schließlich habe ich auch doppelt so viel Meter im Training absolviert und bin die ersten Male in den Kraftraum gegangen. Mit einer Menge Motivation und starken Trainingspartnern habe ich mich aber recht schnell an diese Umstellungen gewöhnt.

Dein Trainier vor Magdeburg war Gerhard Hasler. Was verdankst du ihm?
Ich würde sagen, dass meine ganzen „kleineren Erfolge“ das Ergebnis unserer Arbeit war. Somit verdanke ich ihm meine erste Medaille bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften und mit Sicherheit meine Qualifikation für den Freiwasser-JEM.

Zurück ins Jahr 2016: Was sind deine Ziele für 2016 und darüber hinaus?
Für 2016 habe ich die EM in London in Angriff genommen. Natürlich träume ich auch von den Olympischen Spielen in Rio, ob es dafür im Endeffekt reicht, muss man sehen. Darüber hinaus will ich natürlich weiterhin bei internationalen Meisterschaften starten und in der deutschen Spitze ankommen.

Sportlich warst du schon bei einigen Highlights dabei – WM 2015 in Kazan, Kurzbahn EM 2015 in Israel, LEN Cup 2015, JEM Freiwasser 2014. Was waren deine sportlichen Höhepunkte?
Natürlich ist die WM in Kazan mein absolutes Highlight. Die WM dann auch noch mit einem 5. Platz abzuschließen war für mich einfach unfassbar und definitiv ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Der LEN Cup in Hoorn war für mich aber auch ein persönliches Highlight. Ich durfte in der internationalen, offenen Klasse das erste Mal auf dem Podest stehen und es wurde eine Nationalhymne gespielt. Leider war es nicht die deutsche Hymne, aber trotzdem ein komisches Gefühl.

Wie gehst du mit den Erwartungen und dem Druck um, den es bei sportlichen Großereignissen immer gibt?
Ich selber mache mir vor meinen Rennen eigentlich kaum Druck. Natürlich hat man immer ein gewisses Ziel im Kopf und das will man natürlich auch erreichen. Bei der WM in Kazan bin ich aber ohne jegliche Erwartungen in das Rennen gegangen. Ich wollte das Rennen einfach genießen und Erfahrungen sammeln. Das im Endeffekt der 5. Platz für mich raussprang, kam für mich völlig überraschend.

Ich las, dass du in einer WG mit anderen Sportlern lebst. Wie muss ein Außenstehender das vorstellen: Redet ihr nur über’s Schwimmen, gibt es noch andere Themen?
Natürlich steht der Schwimmsport bei uns klar im Mittelpunkt. Generell reden wir viel über Sport und andere große Sportler aus ganz verschieden Sportarten. Wir reden aber auch über Themen, wie jeder andere „Normalo” auch.

Vielen Dank für das Interview und für London und Rio viel Erfolg!

Bilder und Erfolge
http://mirkoseifert.de/sportler/id/2828/Florian-Wellbrock